Heute ist Breitsch ein Teil meiner Heimat

Nicolas Kehrli trat vergangenen Sommer still und leise aus der ersten Mannschaft unserers FC Breitenrain zurück. Er wünschte sich keine grosse Verabschiedung. Ganz hat Nicolas seine Fussballschuhe aber doch nicht an den Nagel gehängt, sondern spielt weiterhin im Seniorenteam unseres FC Breitenrain und unterstützt Juniorenobmann Yves Robert. 

Nicolas Kehrli hat sich für uns die Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet.

 

Breitschfans: Nicolas Kehrli, Deine Fussballkarriere begann beim FC Schwarzenburg, welche Erinnerungen sind Dir an Deine Juniorenzeit geblieben?

Nicolas Kehrli: Der Corner war 1 Meter höher als der Torraum; die einfache Holzbuvette mit grossen Ähnlichkeiten mit der aktuellen Breitsch-Buvette; der "Acker", auf welchem man Kartoffeln hätte setzen können; der Geruch von gemähtem Gras; die Freunde

 

Dein Sohn Fionn ist auf bestem Weg fussballerisch in Deine Fussstapfen zu treten. Er spielt bei den Breitsch-Junioren. Wenn Du Fionn mit Deiner Juniorenzeit vergleichst, wie hat sich der Juniorenfussball in den Jahren verändert?

Verändert hat sich vor allem die Qualität. Es ist erstaunlich, welche Fähigkeiten und welchen Spielwitz Fionn und seine Kollegen in diesem Altern bereits an den Tag legen. Das ist vor allem so, weil die Ausbildung der Junioren vielseitiger und ganzheitlicher geworden ist und den Fokus stärker auf die Entwicklung legt. Früher zählte viel mehr der Moment, also ob man als Team gewann oder verlor.

 

Als Captain des damaligen Challenge Leaguisten FC Biel warst Du am 03. November 2011 beim 3-1 Sieg im Cup gegen den FC Basel hautnah dabei. Das ehrwürdige Stadion Gurzelen stand nach dieser Sensation Kopf. Wie hast Du diesen Abend noch in Erinnerung?

Ich erinnere mich vor allem an mein Kopfball-Eigentor zum 0:1, mit welchem ich meinen Teamkollegen zeigte, dass wir Tore schiessen können ;) 

Wir spielten uns vor allem in der 2. Hälfte manchmal in einen Spielrausch, überzeugten und gewannen verdient. Dieses positive Gefühl, dass wir es gemeinsam als Team schaffen können, war während dem Spiel spür- und greifbar. Schliesslich waren die positiven Reaktionen und die Presseschau nach dem Spiel gigantisch, fast erdrückend.

 

Im Sommer 2012 wechselste Du zu unserem FC Breitenrain. Wie kam es dazu?

Für mich war klar, dass ich bei einem zweiten Kind "kürzer" treten will. Der Aufwand in der Challenge-League mit den Reisen nach Biel und am Wochenende in die ganze Schweiz konnte ich immer weniger in Einklang bringen mit meinen familiären und beruflichen Ansprüchen. Meine Brüder Raphi und Oli spielten bereits einige Jahre bei Breitsch (1. Mannschaft und Senioren), auch kannte ich "alte" Fussballweggefährten wie die Brüder Portmanns oder Jeremy Niederhauser, welche damals bei Breitsch spielten. Wir kauften zudem eine Eigentumswohnung in der Nähe des Spitz. Das einte führte zum anderen ... und heute ist Breitsch ein Teil meiner Heimat.

 

Welches war neben dem Cupsieg mit Biel gegen Basel in Deiner Fusballkarriere Dein absolutes Highlight auf dem Rasen?

Eine solche Frage kann ich leider nicht kurz und prägnant beantworten, sorry: Mein erstes Super-League-Spiel mit YB im Neufeld gegen Basel, als ich vor dem Spiel gefühlte 20 Mal auf die Toilette musste, weil ich so nervös war (das Spiel gewannen wir übrigens 2:0); Mein erstes Super-League-Tor im Neufeld gegen Servette, nach einem Chappi-Corner und Schlüsselgeklirre; der Beinahe-Aufstieg mit Kriens in die Super-League, als wir mit einem sehr durchscnittlichen Kader, aber super Typen die Tabelle 5 Runden vor Schluss klar anführten; der seit Jahren sehnsüchtig erwartete Auftsieg mit dem FC Biel in die Challenge League war explosiv; der Cup-Halbfinal mit Biel in Sion vor einer Hühnerhaut-Kulisse, als ich für einmal ins richtige Tor köpfte; der Auftsieg mit dem FC Breitenrain in die Promotion-League mit dem Kantersieg in Zürich und die verschiedenen knappen Ligaerhalte mit viel Wille, Einsatz und vor allem Glück; und natürlich das Cupspiel gegen "unser" YB zuhause auf dem Spitz. 

Aber eigentlich sind es nicht die Ereignisse, sondern vielmehr die damit verbundenen Emotionen, welche nur Wert haben, weil man sie mit Mitspielern, Staff und Zuschauern gemeinsam erleben darf. Diese Gefühle habe ich ausserhalb des Fussballs selten so intensiv erlebt, ausser natürlich in der Liebe und mit meinen zwei Kindern.

 

..und neben dem Rasen?

Hast du genug Zeit, denn hier gibt es noch viel mehr zu erzählen ;) Es sind vor allem Teamanlässe, die unvergesslich sind und an welche man sich immer wieder gerne und belustigt zurückerinnert. Einer von vielen denkwürdigen Momenten war, als wir nach einem Burkhaltercup in den frühen Morgenstunden analog zum Einlaufsong von YB einen Song von Wurzel 5 für Breitsch abänderten und neu komponierten. Ich glaube, diese Aufnahmen gibt es irgendwo noch, auf alle Fälle half uns Max eifrig mit.

 

Vergangenen Sommer gabst Du still und leise Deinen Rücktritt von der ersten Mannschaft bekannt, dannach gingst Du mit Einer Familie auf längere Europareise. Reizt es Dich nicht wieder Promotion League Fussball zu spielen?

Mir fehlen die Menschen, das Training, das Drumherum, die Emotionen rund um das und während dem Spiel; welche Liga ist da nicht von Bedeutung. Und ich bin nicht ein Mensch, der wehmütig oder reuig zurückblickt. Alles nahm seinen Lauf, so wie es sein sollte. Obwohl, dass mittlerweile mein Sohn Fionn beim Fussballtennis immer besser spielt und ich wohl bald meine erste Niederlage einfahren werde, dass stimmt mich nachdenklich.

 

Mit der Corona Krise steht der Fussball vor einer neuen Zukunft. Was denkst Du, wie wird sich der Fussball im allgemeinen bei seinem Comeback nach dieser speziellen Zeit präsentieren?

Abgesehen von den Geisterspielen und den dadurch fehlenden Emotionen in den höchsten Ligen gehe ich nicht davon aus, dass sich der Fussball grundlegend ändern wird, dafür ist der Mensch ein zu grosses Gewohnheitstier. Erst massivste finanzielle Einbrüche würden wohl dazu führen, neue Wege zu begehen. Aber das fällt ausser meinen Kompetenzbereich.

 

Was sind Deine Wünsche und Träume für die Zukunft des Schweizer Fussballs?

Ich erhoffe mir nachwievor schnellen, attraktiven und lebendigen, also authentischen Fussball mit hoffentlich ganz vielen Fussballerinnen, welche die gleiche (finanzielle) Wertschätzung wie ihre männlichen Kollegen erfahren.

 

und für den FC Breitenrain?

Der FC Breitenrain ist der Quartierverein, der auf dem Spitz spielt. Grosse Sprünge sind deshalb gar nicht möglich, nicht notwendig. Um seiner sozialen Verantwortung für hunderte von jungen Fussballer*innen gerecht zu werden, braucht es aber ein erfolgreiches Aushängeschild, das hoffentlich noch lange auf dem Spitz attraktiven Amateur-Spitzenfussball bietet.

 

Auf welche Tätigkeiten dürfen wir uns von Dir auf dem SPITZ in Zukunft freuen?

Auch ich bin mir meiner sozialen Verantwortung bewusst und für mich ist klar, dass ich mich in Zukunft für meinen Verein, wenn möglich im Juniorenbereich engagiere. Wenn man den Junioren und Juniorinnen beim Fussballspielen zusieht, diese Freude, dieses Engagement, diese Emotionen, dann ist das ansteckend. 

 

Herzlichen Dank für die wertvolle Zeit die Du für uns genommen hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie nur das Beste und immer viel "gfröits"! 

© SRF: FC Biel-FC Basel Schweizer Cup-Viertelfinal vom 03. März 2011


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